Zwischen Kriegsmüdigkeit, KI-Euphorie und schwächerem Goldpreis

von | Apr. 18, 2026 | Marktinformationen

Ein Blick auf die aktuelle “FOMO-Rally“

„Kein Vormarsch ist so schwer wie der zurück zur Vernunft“

Bertolt Brecht

Die letzten Wochen waren von erheblicher Unsicherheit geprägt. Der Konflikt im Nahen Osten und die damit verbundene Blockade der Straße von Hormus haben die Märkte in Atem gehalten. Jüngste Entwicklungen geben jedoch Anlass zu vorsichtigem Optimismus.

Nach den Kursverlusten durch den Konflikt in der Golfregion haben sich die Aktienmärkte, insbesondere in den USA, beeindruckend schnell erholt. Viele Indizes haben ihre Verluste nicht nur ausgeglichen, sondern sogar neue Höchststände erreicht.

Waffenruhe und Hoffnung auf Öffnung der Straße von Hormus sorgen für Erleichterung

Nach wochenlangen Spannungen gibt es positive Signale: Die Waffenruhe hält und es finden Friedensgespräche statt. Besonders erfreulich war die gestrige Nachricht, dass der Iran die wichtige Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus vorübergehend wieder für den Handel öffnen wollte. Die Märkte reagierten prompt: Die Ölpreise gaben spürbar nach und die Aktienkurse zogen an.

Doch der Iran macht die gestern angekündigte Öffnung der Straße von Hormus bereits heute wieder rückgängig. Als Grund wird die anhaltende Blockade iranischer Häfen durch die USA angeführt. Die Straße von Hormus bleibt somit vorerst trotz Waffenruhe für den internationalen Schifffahrtsverkehr gesperrt.

Für eine endgültige Entwarnung ist es also noch zu früh. Die Lage bleibt fragil und die Öffnung der Meerenge ist nach wie vor fraglich. Die wirtschaftlichen Folgen der wochenlangen Blockade, wie Rohstoffknappheiten und gestörte Lieferketten, werden sich ohnehin erst in den kommenden Monaten vollständig zeigen.

Warum die Aktienmärkte dem Konflikt trotzen

Auf den ersten Blick mag die schnelle V-förmige Erholung der Aktienmärkte, insbesondere in den USA, überraschen. Diese positive Entwicklung ist jedoch nicht allein auf die Hoffnung auf Deeskalation zurückzuführen. Ein anderer, kraftvoller Treiber hat die Anlegerstimmung maßgeblich beeinflusst: die Künstliche Intelligenz (KI).

USA als Treiber: Während geopolitische Sorgen die Märkte belasteten, sorgte der KI-Sektor für Zuversicht. Die Erholung wurde hauptsächlich von US-amerikanischen Wachstums- und Technologiewerten (wie dem Nasdaq 100) angetrieben. Diese hatten sich vor der Krise schwächer entwickelt, führen die Rallye jetzt aber an. Eine starke Berichtssaison, nach oben korrigierte Gewinnprognosen und beeindruckende Produktveröffentlichungen zeigten, dass KI längst kein reines Zukunftsthema mehr ist. Sie ist zu einem zentralen strukturellen Wachstumstreiber geworden, der sich bereits heute positiv in den Unternehmensgewinnen niederschlägt. Dies erklärt auch, warum sich technologielastige Indizes wie der Nasdaq 100 deutlich besser entwickelt haben als beispielsweise der deutsche DAX.

Chartvergleich Nasdaq 100 und DAX

Quelle: Chartanalyse NASDAQ 100, DAX und DAX Kursindex seit Jahresanfang – Stand 17.04.2026 – onvista

Europa hinkt hinterher: Europäische Aktien haben sich ebenfalls erholt, aber nicht so stark wie die US-Märkte. Ein Grund dafür sind die vom IWF gesenkten Wachstumsprognosen für Europa (insbesondere für Deutschland), während der Ausblick für die USA weitgehend stabil geblieben ist.

Entkopplung vom Ölpreis: Anfangs bewegten sich die Aktienkurse genau entgegengesetzt zum Ölpreis. Diese direkte Verbindung hat sich aber gelockert. Die Aktienmärkte sind stärker gestiegen, als es der nur teilweise gefallene Ölpreis rechtfertigen würde. Auch andere Rohstoffpreise und die Anleiherenditen sind noch nicht auf Vorkrisenniveau zurückgekehrt.

Ein differenzierter Blick auf die Anlageklassen

Die globalen Aktienmärkte zeigen sich trotz geopolitischer Risiken robust. Unternehmen können ein gewisses Maß an Inflation durch höhere Preise weitergeben. Das größte Risiko liegt derzeit weniger auf der Gewinnseite als vielmehr im Zinsumfeld. Sollten die Zinsen länger auf hohem Niveau verharren, könnte dies die Bewertungen unter Druck setzen. Regional dürften Asien und Europa Aufholpotential haben, während bei US-Aktien nach der starken Erholung etwas Vorsicht angebracht scheint. Sektoral bleiben KI-nahe Bereiche wie Halbleiter und Infrastruktur sowie Energie- und Rohstoffsegmente attraktiv.

Das Umfeld für Anleihen bleibt anspruchsvoll. Die Zentralbanken stehen vor dem Dilemma, die Inflation zu bekämpfen, ohne das Wirtschaftswachstum abzuwürgen. Dieser Balanceakt sorgt für Volatilität an den Zinsmärkten.

Bei den Rohstoffen gab es seit Beginn des Konfliktes heftige Ausschläge und Besonderheiten zu beobachten. Nach dem starken Anstieg des Ölpreises, gab er jetzt spürbar nach. Öl bleibt kurzfristig jedoch anfällig für Störungen im Persischen Golf. Längerfristig könnte sich der Markt jedoch wieder entspannen, sofern der Konflikt nicht weiter eskaliert.

Entwicklung des Goldpreises in US-Dollar vom 17.04.2023 bis 17.04.2026

Quelle: Chartanalyse Goldpreis in USD über 3 Jahre – Stand 17.04.26 – onvista

Gold hat sich in dieser Krise nicht als der gewohnt sichere Hafen erwiesen. Normalerweise flüchten Anleger in Krisenzeiten reflexartig in Gold. Diesmal blieb dieser Effekt aus, und der Goldpreis ist sogar deutlich gefallen. Hierfür dürfte ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren verantwortlich sein.

Ein wesentlicher Grund dürften Gewinnmitnahmen sein: Der Goldpreis war in den Monaten vor dem Konflikt bereits stark gestiegen. Viele Anleger, auch kurzfristige Spekulanten, nutzten die Gelegenheit, ihre Gewinne mitzunehmen. In den USA wurden allein in den letzten Wochen über zehn Milliarden Dollar aus Gold-ETFs abgezogen.

An den Kapitalmärkten kam es trotz des Konfliktes zu keiner Panikreaktion: Die typische, reflexartige Flucht in „sichere Häfen“ blieb diesmal aus. Anleger haben die Lage eher rational bewertet, anstatt panisch zu reagieren. Das zeigt sich auch bei anderen Krisenwährungen wie dem Schweizer Franken oder Staatsanleihen.

Gestiegene Zinsen: Die Sorge vor steigender Inflation durch höhere Energiepreise hat die Renditen für Anleihen nach oben getrieben. Da Gold keine Zinsen abwirft, wird es im Vergleich zu festverzinslichen Anlagen unattraktiver, wenn deren Renditen steigen.

Starker US-Dollar: Der US-Dollar hat aufgewertet, da die USA von den Rohstoffpreissteigerungen weniger stark betroffen sind als Europa oder Asien. Ein starker Dollar verteuert Gold für Anleger außerhalb des Dollar-Raums und dämpft so die Nachfrage.

Verkauf zur Liquiditätsbeschaffung: In Phasen hoher Volatilität müssen viele Marktteilnehmer Verluste in anderen Bereichen ausgleichen (sog. „Margin Calls“). Dafür verkaufen sie liquide Mittel wie Gold, was zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugt.

Fazit & Ausblick: Die Kurserholung an den Aktienmärkten scheint, gemessen an den Rohstoff- und Anleihemärkten, etwas zu weit gelaufen zu sein. Die robuste US-Konjunktur und die gestiegenen Gewinnerwartungen der Unternehmen stützen die Kurse jedoch. Der Fokus richtet sich nun auf die beginnende Quartalsberichtssaison, die zeigen wird, ob die hohen Gewinnerwartungen der Unternehmen gerechtfertigt sind. Die aktuelle Schwäche von Gold hat viele Gründe. Mittel- bis langfristig sollten die Argumente für Gold – wie hohe Staatsverschuldung und anhaltende geopolitische Risiken – jedoch wieder an Gewicht gewinnen.

Portfolioausrichtung

Die aktuelle Marktlage ist ein Tauziehen zwischen geopolitischen Risiken und der enormen Dynamik des KI-Megatrends. Die jüngste Entspannung im Nahen Osten ist ein positives Signal, doch die zugrundeliegenden Unsicherheiten bleiben bestehen.

Ein breit diversifiziertes Portfolio, das sowohl von strukturellen Wachstumsthemen wie KI profitiert als auch taktische Stabilisatoren wie Rohstoffwerte enthält, ist in diesem Umfeld entscheidend. Bereits seit einiger Zeit haben wir die Portfolien im Aktienbereich stärker diversifiziert. Gold bleibt, trotz der aktuellen Schwäche, aus unserer Sicht mit 5 bis 10 % der Portfolioallokation ein Kernbaustein.

Wir hatten während der größten Unsicherheit die Aktienquoten in den Portfolien erhöht. Dieser Schritt hat sich bislang ausgezahlt. Wir befinden uns mit den Aktienquoten in allem Modell-Portfolien weiterhin im neutralen – wenn auch am oberen Ende und somit fast im dynamischen – Bereich. Eine weitere Erhöhung scheint vorerst aufgrund der nach wie vor hohen Bewertungen bei Aktien sowie den zunehmenden Inflationssorgen (und dadurch fehlende geldpolitische Unterstützung durch die Zentralbanken) nicht ratsam.

Die aktuelle Kursrally bei globalen Aktien dürfte jetzt vor allem psychologisch getrieben sein. Viele Marktexperten sprechen von einer sog. „FOMO-Rally“. Die Abkürzung steht für „Fear Of Missing Out“. Viele Anleger haben Angst, Kursanstiege zu verpassen und kaufen, ohne auf die bestehenden Risiken zu achten. Selbst wenn der Frieden halten sollte und die Straße von Hormus dauerhaft (und internationales Recht beachtend) geöffnet bleibt, wird es wirtschaftliche Folgeschäden geben. Gestörte Lieferketten, beschädigte und heruntergefahrene Förderanlagen und hohe Energiekosten sollten noch lange für Belastungen sorgen.

Die aktuelle „FOMO-Rally“ beinhaltet also durchaus Risiken. So könnten viele Anleger unangenehm überrascht werden, falls sich die Nachrichten – z.B. zu den ungeklärten Fragen rund um die Straße von Hormus – nicht nahezu ideal entwickeln. Die Nachhaltigkeit der v-förmigen, steilen Kurserholungen in vielen Aktienindizes – etwa im S&P 500 – könnte dann nochmals getestet werden.

Haben Sie Mut für das Investment in Aktien!

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Herausgeber: SK Finance Consulting

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