Geldanlage Blog – Helikopter-Geld

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Modern Monetary Theory – die neue WunderwaffeGeldanlage

Geld für alle! Vielleicht bestücken die Chefs der wichtigsten Notenbanken Jerome Powell (USA), Mario Draghi (EU), Haruhiko Kuroda (Japan) und Yi Gang (China) zusammen mit ihren Mitarbeitern schon bald eine Flotte von Helikoptern mit Säcken voller Geldscheinen. Die Helikopter werden angewiesen die Säcke mit dem Geld über den Städten und Dörfern abzuwerfen. Die Notenbanken haben sich für den ultimativen Schritt entschlossen: Es soll Geld regnen! Mehr dazu im aktuellen Geldanlage Blog – Helikopter-Geld.

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Quelle: Fotolia by Adobe Stock

Bereits vor vielen Jahrzehnten hatte der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften Milton Friedmann das Helikopter-Geld als Metapher für sein Gedankenexperiment benutzt. Es ist das letzte Mittel einer Notenbank, um die Deflation zu bekämpfen. Das Helikopter-Geld ist also nur eine Metapher. Freuen Sie sich deshalb bitte nicht zu früh beim Anblick eines Hubschraubers.

Spätestens jedoch seit der Finanzkrise und der scheinbar nie endenden Nullzinspolitik der Notenbanken taucht das Helikoptergeld als geldmarktpolitische Option regelmäßig auf. In den letzten Monaten vor allem im Windschatten der Modern Monetary Theory (MMT). So heißt die neue Wunderwaffe der Politiker und Ökonomen.

Im aktuellen Geldanlage-Blog möchte ich das „Helikopter-Geld“, die Niedrigzinsen sowie die inverse Zinskurve als Indikator für eine Rezession in den USA beleuchten.

„Du musst dich zwingen, gegensätzliche Argumente in Betracht zu ziehen. Besonders, wenn sie deine liebsten Ideen in Frage stellen.“
(Charlie Munger, Berkshire Hathaway)

Die Modern Monetary Theory könnte die nächste Stufe der Enteignung des Sparers sein. Man muss sich auch von liebgewordenen Gewohnheiten lösen, wenn es eindeutige Argumente gibt, die gegen eine Weiterführung dieser Gewohnheiten sprechen. Trotz negativer Renditen bleibt der Bundesbürger seinem selbstauferlegten Zwang des Zinssparens unbelehrbar treu. Doch meine Aufgabe ist es dem Anleger zu zeigen, dass er nur durch eine Änderung seines Investment-Verhaltens, sein Vermögen zukünftig sichern und behalten kann.

Niedrigzinsen und ihre Auswirkungen

Seit nun mehr 10 Jahren läuft die aktuelle Börsenhausse. Da es dem deutschen Sparer bekanntermaßen sehr schwerfällt in Aktien zu investieren, konnte er von der Steigerung der Vermögenspreise leider nicht profitieren. Wie die regelmäßige Statistik der Bundesbank zeigt, bleibt er unbeirrt in seiner Zinsanlage gefangen.

In vielen Gesprächen höre ich nun, dass die Niedrigzinsen doch irgendwann vorbei sein müssen. Die letzten Jahre seien eine Ausnahme. Doch die in vielen Kreisen immer beliebter werdende neue „Modern Monetary Theory (MMT)“ könnte mit dafür sorgen, dass die Zinsen noch sehr lange so niedrig bleiben.

Der Wunsch nach einer raschen Umkehr der Zinspolitik hin zu hohen Zinsen zeigt jedoch, wie wenig die wirtschaftlichen Zusammenhänge verstanden werden. Dadurch würden auch viele Geldanlagen (z.B. Lebensversicherungen, Bundesanleihen usw.) der Sparer sehr negativ betroffen.

Der Niedergang der Zinsen ist dabei kein Phänomen der vergangenen 10 Jahre. Seit 30 Jahren fallen die Zinsen weltweit. Wie die Graphik zeigt, lag die Umlaufrendite in Deutschland im Jahr 1989 noch bei über 6 % p.a. Mittlerweile notiert sie im negativen Bereich. Betrachtet man die reale Rendite, also nach Inflation, verliert der Sparer aktuell -1,33 % p.a. Er vernichtet garantiert Jahr für Jahr sein Vermögen und er macht es auch noch freiwillig.

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Quelle: Loys AG, Fondsmanagerdialog 10 Jahre Börsenhausse vom 04.04.2019

Die Umlaufrendite ist der durchschnittliche Renditewert aller inländischen, bereits emittierter Anleihen erster Bonität (insbesondere Staatsanleihen), welche sich aktuell im Umlauf befinden. Die Umlaufrendite spiegelt das Zinsniveau des Kapitalmarktes wider. Sie gilt als Referenzzinssatz und ist in Deutschland für den Rentenmarkt ähnlich bedeutsam wie der DAX für den Aktienmarkt.

Ob es wirklich bald zu einer richtigen Zinswende kommt, halte ich persönlich eher für unwahrscheinlich. Die enorm hohe weltweite Verschuldung und auch der globale demographische Wandel lassen hohe Zinsen nicht zu.

Wer sich deshalb nicht vom Sparer zum Investor (leider ist in weiten Teilen der Bevölkerung ja bereits der Begriff negativ behaftet) weiterentwickelt, wird sein bereits aufgebautes Vermögen zunehmend verlieren und neues Vermögen nicht aufbauen. Es gilt alte Gewohnheiten abzulegen. Aktien müssen einen großen und wichtigen Bestandteil Ihrer Vermögensstrategie bilden.

Modern Monetary Theory – die neue Wunderwaffe

In den letzten Monaten war sehr viel von einer Zinswende zu hören und zu lesen. Die US-amerikanische Notenbank Fed hat mehrere Zinsschritte nach oben vollzogen. Die Renditen für US Zinspapiere rentieren deutlich höher, als europäische oder japanische Titel. Diese höheren Renditen und die Angst vor weiteren Zinsanhebungen in den USA haben die globalen Aktienmärkte Endes des vergangenen Jahres stark korrigieren lassen.

Ob es tatsächlich zu einer Zinswende kommt, diese in den USA bereits da ist oder ob der sog. „Point of no Return“, also der Punkt, an dem es den Volkswirtschaften aufgrund ihrer enormen Verschuldung nicht mehr möglich ist ein gewissen Zinsniveau zu überschreiten, da sie sonst bankrott wären, wird unter Experten lebhaft diskutiert.

Bereits seit vielen Jahren weise ich immer wieder daraufhin, dass es für die aktuelle Schuldensituation nur wenige Lösungen gibt. Fast alle haben sehr abrupte und desaströse Wirkungen. Am Ende bleibt eigentlich nur die finanzielle Repression. Reale Zinsen, die unterhalb der Inflationsrate liegen kombiniert mit steigender Abgabenlast bei allen, die sich dieser Abgaben nicht entziehen können, führen dazu, dass die Schulden langsam, über viele Jahrzehnte abgebaut werden können.

Weltweit hat die Verschuldung in den vergangenen Jahren weiter stark zugenommen. Da 2008 eine Schuldenkrise zur globalen Finanzkrise geführt hat, erlaubt die aktuelle Situation, aus meiner Sicht, keine relevante Zinssteigerung. Daher müssen wir uns wohl noch eine sehr lange Zeit an niedrige Zinsen gewöhnen.

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Quelle: StarCapital AG, StarInvest, In der Zins- und Schuldenfalle, April 2018

Eine neue Geldtheorie und die damit verbundene Neubetrachtung von Schulden kommt da sehr vielen Politikern und auch vielen Ökonomen gerade recht. Die Kernpunkte der Modern Monetary Theorie (MMT) lauten:

  • Schulden stellen kein Problem dar
  • Immer mehr Gelddrucken bleibt ohne negative Folgen
  • Die Notenbanken finanzieren den Staat
  • Steuern dienen nur noch der Umverteilung

Derzeit deutet auch einiges darauf hin, dass die MMT eines der zentralen Themen im US-Wahlkampf 2020 werden könnte. Denn unbeschränkt Geld auszugeben hat derzeit für Politiker aus jedem politischen Lager einen besonderen Reiz. Galten höhere Staatsausgaben bei den US-Republikanern früher als Teufelswerk, hat sich dies spätestens unter Trump radikal geändert.

In Europa versteht man bereits seit Jahrzehnten unter Gerechtigkeit oftmals leider nur noch Umverteilung. Viele Staaten haben ihre Ausgaben und Haushalte deshalb nicht mehr im Griff. Ihnen wird die MMT neue Munition liefern, um noch mehr Geld auszugeben.

In Deutschland hingegen wird auf die „schwarze Null“ beim Bundeshaushalt viel zu viel wert gelegt. Die öffentlichen Investitionen in Deutschland reichen gerade einmal aus, um den Verschleiß auszugleichen. Jeder kann die fehlenden Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Forschung sehen. Politisch scheint es jedoch nicht opportun zu sein, das Land für eine sich verändernde Zukunft aufzustellen.

Die Theorie liefert wertvolle Denkanstöße, aber es besteht die große Gefahr, dass das Konzept politisch missbraucht wird. Die Geschichte zeigt, dass wenn die Politik die totale Kontrolle über die Notenpresse erlangt, dies häufig in eine Katastrophe geführt hat.

Inverse Zinskurve in den USA

Interessanterweise ist die US-Zinskurve in der vorletzten Märzwoche leicht invers geworden. Sprich: die 10-jährigen Renditen von US-Staatsanleihen sind niedriger als die kurzfristigen Zinsen. Eine inverse Zinskurve gilt als guter Frühindikator für eine Rezession. Viele Kapitalmarktteilnehmer kennen die Börsenweisheit, dass eine inverse Zinskurve historisch meist eine Baisse und danach eine Rezession zur Folge hat. Aber wie aussagekräftig ist die inverse US-Zinskurve diesmal?

Im März durchbrach der Zins für 10-jährige US-Treasuries das Niveau der 3-Monats-Zinsen (Treasury Bills). Als aussagekräftiger gilt jedoch eine Inversion bei 10- und 2-Jährigen US-Staatsanleihen.

Inverse Zinskurve

Quelle: StarCapital AG, StarInvest, Die ungeliebte Aktienrally, April 2019

Ursache für eine Rezession ist oftmals die Geldpolitik. Steuert sie nämlich einer Beschleunigung der Inflation nicht ausreichend entgegen, bleibt der Aufschwung intakt und die Inflation steigt immer weiter an. Erst eine Rezession, eingeleitet durch hohe Zinsen der Notenbank, sorgt dann wieder für sinkende Inflationsraten, da die Nachfrage wieder geringer wird als das Angebot.

In der Vergangenheit hat die US-Notenbank immer dann eine Rezession eingeleitet, wenn sie den Leitzins über die Rendite einer zehnjährigen Staatsanleihe anhob, es also zu einer Invertierung der Renditestrukturkurve kam.

Die Rendite einer zehnjährigen Staatsanleihe kann als ein Proxy für den Gleichgewichtszins gedacht werden, so dass ein Leitzins darüber wie ein Bremsvorgang auf die Nachfrage wirkt.

Wie wahrscheinlich ist nun die Rezession?

Das US-Research-Haus Fundstrat hat Inversionen der US-Zinsstrukturkurve während der letzten 60 Jahre untersucht und festgestellt, dass die Vorlaufzeit, ehe die Rezession einsetzt, zwischen sechs Monaten und vier Jahren schwanken kann. Im Schnitt liegt sie bei fast zwei Jahren. Nach der Inversion stieg der US-Markt S&P 500 in der Regel weiter. Als Timing-Instrument ist sie also absolut ungeeignet.

Der Umstand, dass es in den nächsten vier Jahren mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu einer Rezession kommen wird, entspricht durchaus der Konsenserwartung der Analysten. Die Begründung für diese Prognose basiert allerdings ausschließlich auf der Erwartung, dass der zehnjährige Aufschwung irgendwann an Altersschwäche sterben muss. An Altersschwäche ist jedoch noch kein Aufschwung gestorben, sondern wurden von der Zentralbank, wie oben beschrieben, „ermordet“!

Was ist heute anders?
  1. Die Inversion wurde nicht durch einen Anstieg der Leitzinsen, sondern durch die Ankündigung der Fed, diese nicht weiter zu erhöhen, und den damit einhergehenden Zinsverfall am langen Ende eingeleitet. Für in- und ausländische Investoren wurden damit US-Zinsen von nahe 3 % extrem attraktiv. Bonitätsstarke Staatsanleihen in Europa und Japan bieten lediglich Zinsen um die Nulllinie.
  1. Die hohen Sparquoten in Asien und Europa, die auch mit der demographischen Entwicklung zusammenhängen, treffen auf eine schwache Investitionsneigung in Europa und den USA. Dem steigenden Angebot an Kapital steht somit eine sinkende Nachfrage gegenüber und das limitiert einen Zinsanstieg am Rentenmarkt.
  1. Die Inflationserwartungen fallen in Europa und den USA wegen der sinkenden Rohstoffpreise in 2018 und aktuellen Rezessionsbefürchtungen auf extrem niedrige Niveaus.

Die derzeitige Renditestrukturkurve in den USA ist flach, so dass die US-Geldpolitik weder bremst noch stimuliert. Die Rezessionsrisiken sind somit nicht ungewöhnlich hoch. Sollte die US-Inflation auch in den kommenden Monaten seitwärst verlaufen, könnte die Fed ihre abwartende Haltung beibehalten. Somit stünden die Chancen für ein Fortbestehen des US-Aufschwungs, trotz der bereits erreichten Länge, nicht schlecht.

Fazit: Eine Rezession, nur aufgrund dieser Inversion der Zinsstrukturkurve ist nicht zu erwarten. Wie sich die globale Wirtschaft entwickelt, wird sich erst in der 2. Jahreshälfte deutlicher abzeichnen.

Portfolioausrichtung:

Wir haben die Portfolien rechtzeitig etwas abgesichert. Die Aktienquote im ausgewogenen bzw. flexiblen Portfolio beträgt aktuell nur ca. 55 % (Im März lag die Quote noch bei ca. 73 %).

Da wir uns wahrscheinlich in der späten Phase des Konjunkturzyklus befinden, muss die künftige Portfolioausrichtung etwas angepasst werden. Es gilt jedoch: Länger mutig bleiben…aber mit Bedacht!

Wir werden bei Gelegenheit die Aktienquote wieder erhöhen. Dabei setzen wir aber verstärkt auf Qualitätstitel (nicht-zyklische Titel, Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen usw.) und reduzieren Wachstumstitel. Auch auf der defensiven Seite werden wir wahrscheinlich konservativer werden müssen. In 2018 konnte man sehen, dass in einer Korrektur nur Cash und die so ungeliebten Staatsanleihen mit sehr guter Bonität Schutz bieten. Dies bedeutet aber auch, dass die Rendite auf der defensiven Seite noch geringer ausfallen werden.

Haben Sie Mut für das Investment in Aktien!

Ihr
Sascha Knapp

Dipl.-Ökonom Sascha Knapp
SK Finance Consulting

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Grundlegende Informationen darüber, worauf es bei der Geldanlage ankommt, haben wir für Sie auf folgenden Seiten zusammengetragen.



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