Marktinformationen: Das ist nicht das Ende der Welt

Marktinformationen: Das ist nicht das Ende der Welt

“Schauen Sie, alles was ich heute sage (…). Alles sind nur Vorschläge. (…) Ich bin total flexibel, bei vielen, vielen Themen, und glaube, das muss man auch sein.”

(Johnson, Jenna, “Trump: All policy proposals are just flexible suggestions”, The Washington Post, 13.05.2016)

 

Der nächste Präsident der Vereinigten Staaten heißt Donald Trump. Damit zieht eine nur schwer kalkulierbare Politik ins Weiße Haus ein. Offen bleibt zunächst auch, wie viel Sachkompetenz er sich ins Kabinett holen kann, da der Wahlkampf eine reine One-Man-Show war. Dass die Republikaner über die Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses verfügen, ermöglicht Trump aber einen durchaus großen politischen Spielraum.

Die Reaktion der Finanzmärkte fiel zunächst entsprechend negativ aus. Nach starken Kursverlusten in Asien (Japans Nikkei minus 5,4%) hielten sich jedoch die Rückschläge an den europäischen Börsen in Grenzen und wurden schnell ausgeglichen. Auch der US-Dollar konnte rasch einen Teil seiner Einbußen von drei Prozent gegenüber dem Euro aufholen.

Eines hat der Wahlkampf deutlich gezeigt: Donald Trump ist sprunghaft und unberechenbar. Es könnten uns beispiellose politische Risiken bevorstehen, die auch die Eckpfeiler der Weltordnung nach dem Zweiten Weltkrieg infrage stellen könnten. Aus meiner Sicht wird es ihm nur sehr schwer gelingen, die tiefen Gräben in der Gesellschaft (übrigens kein rein US-amerikanisches Phänomen) zu schließen.

White House Dark Future

 

 

 

 

 

 

 

 

Ob er seine zuweilen wirren Ankündigungen, eine Mauer an der mexikanischen Grenze bauen, sämtliche illegalen Einwanderer aus den USA ausweisen und im Zweifel horrende Strafzölle für Waren aus China verhängen zu wollen, tatsächlich umsetzt, sei aber dahingestellt. Es ist auch denkbar, dass am Ende der Pragmatismus siegt und man eine mehr oder weniger konventionelle republikanische Politik erlebt.

 

Was bedeutet die Wahl Trumps langfristig für Investoren?

Als sehr wahrscheinlich dürfte gelten, dass Trump die Mehrheit der Republikaner in Senat und Repräsentantenhaus nutzen wird, um die Steuern zu senken. Sollten die Steuersenkungen Wachstumskräfte freisetzen, könnte das für Aktien durchaus positiv sein.

Ebenfalls recht wahrscheinlich erscheint, dass er die Staatsausgaben massiv anheben wird (deficit spending). Er möchte die Infrastruktur in den USA in großem Umfang modernisieren. Dadurch möchte er auch sein Versprechen, die „vielen vergessenen Amerikaner“ wieder in Jobs zu bringen, einlösen.

Höhere Staatsausgaben und Steuersenkungen – simple, aber populäre Maßnahmen – könnten der amerikanischen Wirtschaft neuen Schub geben und das Gewinnwachstum der Unternehmen ankurbeln. Auch wenn diese Maßnahmen auf längere Sicht der US-Wirtschaft eher schaden werden. Daher wird der Kongress – wenn auch von den Republikanern dominiert – es Trump voraussichtlich nicht leichtmachen, seine extravaganten Wahlkampfversprechen Eins-zu-eins in die Tat umzusetzen.

Ein verstärktes deficit spending dürfte aber auch Einfluss auf die künftige Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) haben. Kurzfristig glauben viele Experten, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung der Fed im Dezember und auch im nächsten Jahr gesunken ist. Ob dem wirklich so ist, bleibt jedoch abzuwarten, da sich die Unsicherheiten nach der Wahl Trumps bislang in Grenzen halten. Mittel- bis langfristig könnten die Zinsen in den USA dagegen schneller und höher steigen, als bislang von vielen Marktteilnehmern erwartet.

Das wäre dann der Fall, sollte Trump seine Pläne bezüglich einer weit expansiveren Fiskalpolitik (Steuersenkungen und Investitionen) durchsetzen können. Auch verschwindet der sog. Basiseffekt des niedrigen Ölpreises immer mehr aus der Berechnung und bringt somit zusätzlichen Inflationsdruck. Dies in Kombination mit steigendem Lohndruck, aufgrund der sehr niedrigen Arbeitslosigkeit, könnte die Preise deutlicher anziehen lassen. Höhere Zinsen könnten somit notwendig werden. Diese Entwicklung gilt es genau im Auge zu behalten, denn sie würde für Risiko-Assets (z.B. Aktien) eher Gegenwind bedeuten, auch wenn wir von einer echten Zinswende noch weit entfernt sind.

Der Job der US-amerikanische Notenbank wird also durch eine expansive Fiskalpolitik noch schwieriger werden. Sollte dies zu einer Situation führen, die ein höheres Zinsniveau (Inflationsdruck) und gleichzeitig ein niedriges Zinsniveau (schwächelnde Wirtschaft, Finanzierung der jetzt noch stärker steigenden Staatsverschuldung) verlangt, wird sich diese Unsicherheit spürbar auf die Kapitalmärkte niederschlagen.

Das Verhältnis von Trump zur Fed-Präsidentin Janet Yellen gilt als frostig und es könnte 2018 vielleicht zu einem Wechsel an der Spitze der Notenbank führen. Dies dürfte weitere politische Unsicherheiten mit sich bringen. Dazu kommt, dass die Notenbank in Zukunft stärker unter parlamentarische Aufsicht gestellt werden könnte. Dadurch wäre ihr Handlungsspielraum wesentlich geringer.

Die größte Gefahr geht jedoch von Trumps Bestrebungen zu mehr Protektionismus aus. Die Verhandlungen über TTIP werden wohl eingestellt und TPP nicht ratifiziert. Das Freihandelsabkommen NAFTA könnte bereits im Januar 2017 von Trump gekündigt werden. Zunehmender Protektionismus hätte Auswirkungen auf andere Volkswirtschaften, die ihrerseits „Schutzmaßnahmen“ ergreifen könnten. Die Folge wären Handelskriege – eine große Gefahr für die Weltwirtschaft, nicht zuletzt für die USA und deren Unternehmen selbst. Hier bleibt abzuwarten, ob er dieses enorme Risiko eingeht oder sich einer pragmatischeren Lösung zuwendet.

Die entscheidende Frage lautet also: „Wie opportunistisch und pragmatisch ist Trump am Schluss?“ Hier gibt es durchaus Grund zur Hoffnung. Sein bisheriger Lebenslauf deutet darauf hin, dass er mit viel Getöse beginnt und dann doch zu praktikablen Lösungen neigt. Auch wird der Kongress sich nicht uneingeschränkt in unkalkulierbare Risiken stürzen. Politik ist die „Kunst des Möglichen“. Auch Trump dürfte dies zu spüren bekommen.

 

Portfolioausrichtung:

Wir werden die Portfolien in eine neutrale Ausrichtung bringen. Sollte es sich abzeichnen, dass die Märkte die möglichen positiven Auswirkungen einer expansiven Fiskalpolitik in den USA vorwegnehmen und sich doch noch zu einer Jahresendrally aufschwingen, werden wir kurzfristig reagieren.

Mit Sicherheit wird es durch den Sieg Trumps zu Verschiebungen innerhalb der Assetklassen kommen. Im Aktienbereich dürften in den USA wohl Finanzwerte sowie der Pharma- und Gesundheitsbereich profitieren. Aber vieles bleibt zunächst unsicher, da der politische Neuling Trump sich zu vielen Themen noch nie geäußert hat.

Schwellenländern könnte eine schwierige Zeit bevorstehen. Nachdem sie in den vergangenen Monaten aufgrund von stabilisierenden Rohstoff- und Devisenmärkten profitieren konnten, könnte erneut höhere Unsicherheit einkehren.

Eine bereite und sinnvolle Diversifikation bleibt daher unumgänglich. Auch wird aufgrund der größeren politischen Unsicherheit (das Jahr 2016 hat uns wohl lediglich einen ersten Vorgeschmack geliefert) eine hohe Flexibilität entscheidend sein.

 

Ihr
Sascha Knapp

Dipl.-Ökonom Sascha Knapp
SK Finance Consulting

 

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