Panik an den Börsen – Bewahren Sie Ruhe!

von | Mrz 9, 2020 | Anlegerinformationen, Geldanlage, Kapitalmarktanalysen, Marktinformationen, Vermögensberatung

die globalen Börsen sind nun endgültig im Panikmodus angekommen. Bei einigen Börsen bis zu 20 % Verlust seit Jahresbeginn. An den internationalen Ölmärkten sackte nach den gescheiterten Verhandlungen der führenden Ölstaaten zugleich der Ölpreis um bis zu 30 Prozent ab und erhöht dadurch den Verkaufsdruck auf den Aktienmärkten. Für den Abverkauf ist weniger das Virus, sondern der Umgang damit verantwortlich. Die Maßnahmen der Unternehmen und Staaten zur Eindämmung des Virus werden die Wirtschaft maßgeblich beeinträchtigen.


Warum sollten Sie dennoch ruhig bleiben?

  1. Die Kurse, die wir sehen, bilden in der Regel die erwarteten Bewertungen in der Zukunft ab. „Kurs von gestern + Erwartung von heute = Kurs von morgen.“ Die Zukunft ist aber ungewiss und umso unsicherer, je weniger man Erwartungen belegen kann. Unsicherheit bewirkt starke und rasche Bewegungen, meist nach unten. Mit rationalen Entscheidungen hat dies dann nicht mehr viel zu tun. Verkauft wird dann einfach alles und egal zu welchem Preis. Das ist keine vernünftige Strategie.
  2. Mit Aktien sind Sie aber nicht an irgendwelchen Kursen beteiligt. Sie sind an den jeweiligen Unternehmen beteiligt! Am Produktivkapital dieser Unternehmen! Die Unternehmen bestehen aus Mitarbeitern, aus Fabriken, Maschinen, Erfindungen usw. Die Zahlen der Unternehmen schwanken viel weniger, als die Aktien dieser Unternehmen. Dies erkennt dann irgendwann auch wieder die Börse.
  3. Stellen Sie sich selbst die Fragen, ob Sie wegen dem Virus nie wieder Lebensmittel kaufen, ein neues Handy anschaffen, nichts mehr bei Amazon bestellen, keine neue Fernsehserie mehr streamen, kein Toilettenpapier (ein offener Seitenhieb auf all die Hamsterkäufer in Deutschland), keinen neuen Laptop, kein neues T-Shirt und Millionen anderer Dinge mehr kaufen…
  4. Es ist schlichtweg nicht möglich den Markt zu timen. Zu glauben man könnte jetzt verkaufen und dann am Tiefpunkt wieder einsteigen ist schlichtweg falsch! Warum? Siehe Punkt 1… „Kurs von gestern + Erwartung von heute = Kurs von morgen“. Die Kurse fallen weiter, wenn die Erwartungen weiter sinken. Panik, Unsicherheit, schlechte Medienberichterstattung usw. lassen die Erwartungen sinken. Niemand wird bei noch schlechteren Erwartungen nach dem Verkauf wieder einsteigen. Erst wenn die Nachrichten wieder viel besser und die Erwartungen deutlich gestiegen sind, wird man zuversichtlicher und investiert. Aber dann sind die Kurse bereits wieder deutlich gestiegen.
  5. Die Zinsen werden in der „Nach-Coronavirus-Zeit“ noch tiefer sein. Es gibt daher langfristig keine Alternative zu Aktien! Was auf den Anleihen-Märkte in den letzten Jahren passiert ist und zukünftig passieren wird –nämlich die Festschreibung der Niedrigzinsen für eine sehr, sehr lange Zeit – wird das kommende Jahrzehnt bestimmen! Es wird immer schwieriger die Zinsen wieder anzuheben. Ein positiver Realzins ist für das nächste Jahrzehnt kaum vorstellbar. Das stellt ökonomische Grundprinzipien auf den Kopf! Sie bekommen keinen „sicheren“ Zins mehr! Wer Rendite möchte, muss in Aktien investiert sein!
  6. Das Coronavirus wird die Weltwirtschaft belasten. Aber es ist nicht der Weltuntergang! Seit über 20 Jahren beschäftige ich mit den Börsen. Nach dem zehnten „Weltuntergang“, der in dieser Zeit von Medien, Analysten, Bestsellerautoren usw. ausgerufen wurde, habe ich aufgehört zu zählen.
  7. Noch einmal sende ich Ihnen die für mich entscheidende Graphik „Zeit ist der entscheidende Erfolgsfaktor…“ zu. Sie müssen entscheiden, ob Sie darauf wetten möchten, dass diesmal alles anders kommt und daher verkaufen müssen. Bitte bedenken Sie immer: „Diesmal wird alles anders sein – sind die fünf teuersten Worte an der Börse.“ (André Kostolany) Auch diesmal wird es nicht anders kommen!

Ausblick

Die Märkte werden in den kommenden Wochen und in einem schlechten Szenario sogar Monaten sehr unruhig bleiben. Die schlechten Nachrichten und Berichte werden erstmal nicht abreißen. Auch wird das Thema Kreditausfälle bei Unternehmen wieder viel stärker in den Fokus geraten und könnte die Weltwirtschaft zusätzlich stark belasten. Wie hoch der China-Schock, also die Wachstumsdelle in China und damit auch für die Weltwirtschaft sein wird, lässt sich momentan nicht abschätzen. Kommt es zu einer noch stärkeren Pandemie des Virus und müssen noch weitere drastische Maßnahmen, wie z.B. die Abriegelung in Nord-Italien, getroffen werden, kann die Erholung der Kurse länger dauern, als jetzt noch von vielen Marktteilnehmern erwartet wird.


Generell scheint der Faktor Zeit der entscheidende Punkt zu sein. Die Behörden haben aus dem Fall China gelernt, dass ein „milder“ Verlauf des Virus eher drastische Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Bürger erfordert. Die Zahl von Infizierten niedrig zu halten und auf die wärmere Zeit des Frühlings zu setzen, scheint dabei ebenfalls eine wichtige Rolle zu spielen. Auch rückt dann die Entwicklung eines Impfstoffes näher.


Ich kann mir trotz der bislang sehr hohen Verluste an den Börsen sehr gut noch weitere 20 bis 30 % Kursverluste vorstellen. In den kommenden Tagen werden wir Gegenbewegungen zum heutigen Abverkauf sehen. Aber es kann dann – je nach Verlauf der Virusausbreitung und der damit verbundenen Panik – auch nochmals zu weiteren Verlusten kommen. Aber man weiß es einfach nicht. Die ersten beiden Quartale 2020 werden in einigen Ländern zu einer Rezession führen. Wann der Markt diese Gewinndelle bei den Unternehmen verarbeitet hat und sich dann wieder auf die mittelfristigen Gewinnentwicklungen konzentriert und es somit zu einer Bodenbildung und anschließender dauerhafter Kurserholung kommt, kann man nicht seriös vorhersagen.

Portfolioausrichtungen

In den vergangenen Tagen wurde von fast allen Anlegern die Vorzüge der sonst so unbeliebten „aktiven“ Fonds gegenüber den ETFs bemerkt. Einige der Fondsmanager konnten Teile ihrer Positionen absichern oder waren aufgrund der breiteren Diversifikation oder der besseren Auswahl stabiler und robuster. In den kommenden Tagen und Wochen werden sich, aus meiner Sicht, gute Einstiegsmöglichkeiten bieten. Diese werden wir den Portfolien nutzen.

Mein Rat

Die Verluste in solchen starken Korrekturen sind für die Psyche sehr schwer zu verkraften. Der Druck verkaufen zu wollen, ist sehr hoch. Sie müssen sich aber immer wieder vor Augen halten, dass dies der Kardinalfehler bei der Geldanlage ist! Wer jetzt verkauft realisiert den Verlust und dies mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit dauerhaft! Ich selbst werde nicht verkaufen!

Hinweis: Diese Verbraucherinformationen dienen nur zu Marketingzwecken.

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Herausgeber: SK Finance Consulting

Besonderer Hinweis:
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Über mich

Börsianer mit Leib und Seele. Jahrgang 1975. Geboren in Koblenz. Wohnorte Frankfurt am Main und Berlin. Seit über 25 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit den internationalen Finanz- und Kapitalmärkten.

Sascha Knapp

 

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